Reizdarm: Behandlung im Überblick

Reizdarm: Behandlung im Überblick Reizdarm – was hilft? Erfahren Sie hier mehr über die Behandlung.

Wichtig ist im ersten Schritt, dass andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden. Denn Durchfall, Bauchweh oder Verstopfung können auch als Symptom vieler anderer Erkrankungen auftreten, die gezielt behandelt werden müssen. Steht die Diagnose Reizdarmsyndrom (RDS) fest, werden in der Regel einzelne Therapiemaßnahmen in Abhängigkeit davon empfohlen, welche Beschwerden im Vordergrund stehen. Doch es gibt auch einige Tipps und Mittel, die für alle Betroffenen gleichermaßen hilfreich sind.

Reizdarm-Therapie: Die Eckpfeiler der Behandlung

Das Reizdarmsyndrom kann sich durch vielfältige Beschwerden äußern, die auch unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Daher gibt es keine Standard-Therapie. Die meisten Empfehlungen zur Behandlung des Reizdarmsyndroms orientieren sich am jeweiligen Leitsymptom und können daher von Patient zu Patient unterschiedlich sein. Einige Maßnahmen, wie zum Beispiel das Führen eines Beschwerdetagebuchs, geeignete Probiotika und ggf. auch eine psychotherapeutische Behandlung können jedoch für alle Betroffenen gleichermaßen sinnvoll sein.

Was tun bei Reizdarm?

Beschwerdetagebuch: Wer über eine bestimmte Zeit hinweg seine Beschwerden dokumentiert, kann möglichen Auslösern auf die Spur kommen und herausfinden, welche Faktoren die Symptome verschlimmern können. Bei manchen Patienten lösen z. B. bestimmte Zucker (FODMAPs) Blähungen und Durchfall aus.

Ernährung: Es gibt keine allgemeingültigen Empfehlungen für die Ernährung bei Reizdarmsyndrom im Sinne einer bestimmten „Diät“. Welche Veränderungen und Anpassungen sinnvoll sind, muss im Einzelfall entschieden werden und hängt davon ab, welche Symptome auftreten und ob individuelle Nahrungsmittelunverträglichkeiten bestehen. Grundsätzlich gilt: Erlaubt ist, was Ihnen bekommt. Mehr erfahren

Gesunde Lebensweise: Nicht rauchen, wenig Alkohol – das sind die Basisempfehlungen, wenn es um eine gesunde Lebensweise bei Reizdarmsyndrom geht. Darüber hinaus sind regelmäßige Bewegung und ausreichend Schlaf ratsam. Eine wichtige Rolle spielt ausreichende körperliche Bewegung insbesondere dann, wenn bei Verstopfung die Verdauung in Gang gebracht werden muss.

Stressabbau: Dass Stress auf den Magen schlägt, ist hinlänglich bekannt. Auch beim Reizdarmsyndrom kann Stress offenbar Beschwerden auslösen oder verstärken. Zu den Ursachen für die Erkrankung zählt er allerdings nicht. Betroffenen werden verhaltensbezogene Therapiemaßnahmen (z. B. Entspannungstechniken, Anti-Stress-Training im Rahmen einer Psychotherapie) empfohlen.

Probiotika bei Reizdarm: Heute weiß man, dass das Reizdarmsyndrom mit Veränderungen der Darmflora (Mikrobiota) einhergeht. Unter anderem wurde z. B. festgestellt, dass die sogenannten Bifidobakterien in Stuhlproben von Betroffenen erniedrigt waren. Diese Bakterien zählen zu den „guten“ Darmbakterien. Ausgewählte Probiotika, die bestimmte Stämme dieser erwünschten Mikroorganismen enthalten, werden daher auch zur Behandlung des Reizdarmsyndroms eingesetzt.

Medikamente bei Reizdarmsyndrom: Welche helfen wann?

Bisher gibt es kein Medikament, das eine ursächliche Behandlung ermöglicht. Eine Heilung ist daher nicht möglich. Die Symptome lassen sich aber mit geeigneten Wirkstoffen oft zuverlässig lindern. Folgende Mittel können infrage kommen:

  • Krampflösende Mittel, sogenannte Spasmolytika sollten bei Bauchschmerzen und Krämpfen zum Einsatz kommen. Rezeptfreie Wirkstoffe sind z. B. Butylscopolamin und Pfefferminzöl. Klassische Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen sowie Opioide sind nicht geeignet.
  • Probiotika: Ausgewählte Bakterienstämme wie das Bifidobacterium infantis werden zur Behandlung des Reizdarmsyndroms empfohlen. Aufgrund der überzeugenden Studienlage haben die deutschen und internationalen Fachgesellschaften für Gastroenterologie sie auch als evidenzbasierte Therapieoption in die deutschen und internationalen medizinischen Leitlinien zum Reizdarmsyndrom aufgenommen.1,2 Sie können die bei Reizdarm-Patienten gestörte Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringen und so verschiedene Darmbeschwerden gleichzeitig lindern.
  • Entschäumer wie z. B. Simeticon können Blähungen lindern, indem sie die Oberflächenspannung der Gasbläschen im Darm verringern und diese dadurch aufgelöst werden.
  • Loperamid ist ein Wirkstoff, der den Darm sozusagen „lahmlegt“ und daher bei Durchfall zum Einsatz kommen kann. Er hemmt die Darmbewegung, die bei Durchfall gesteigert ist. Alternativ kommt auch der Wirkstoff Cholestyramin infrage.
  • Flohsamenschalen zählen zu den löslichen Ballaststoffen und sind die erste Wahl für Reizdarm-Patienten mit Verstopfung. Auch bei Durchfall können sie eingesetzt werden.
  • Abführmittel (Laxanzien) wie zum Beispiel Macrogole können ebenfalls bei Verstopfung angewendet werden, wenn die löslichen Ballaststoffe keine ausreichende Wirkung zeigen.
  • Bestimmte pflanzliche Mittel, die Wirkstoffe z. B. der Pfefferminze enthalten, können ebenfalls einen Versuch wert sein. Heiltees auf Basis von Anis, Kümmel oder Fenchel können ebenfalls positive Effekte haben.
  • Trizyklische Antidepressiva (rezeptpflichtig) können bei chronischen, schwer behandelbaren Bauchschmerzen in sehr niedriger Dosierung zum Einsatz kommen, da sie auch über eine schmerzlindernde Wirkung verfügen. Bei Verstopfung sollten sie allerdings nicht angewendet werden. Eine weitere rezeptpflichtige Therapieoption stellen die sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer dar, die ebenfalls zu den Antidepressiva zählen.

Reizdarmsyndrom: Behandlung einzelner Symptome

Ist bei Ihnen Durchfall das Hauptproblem? Oder leiden Sie vor allem darunter, dass Sie oft Blähungen haben? Im Folgenden haben wir für jedes der typischen Symptome bei Reizdarm hilfreiche Tipps zur Behandlung zusammengestellt.

Tipps bei Durchfall

Tipps bei Verstopfung

Tipps bei Blähungen & Blähbauch

Tipps bei Bauchschmerzen und Krämpfen

1Layer P et. al.; S3-Leitlinie zur Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms. Z Gastroenterol 2011; 49:237-293 (In Überarbeitung).
2Irritable Bowel Syndrome: a Global Perspective Update September 2015. World Gastroenterology Organization, 2015.

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